Gaea Girls

GAEA GIRLS

Großbritannien 2000.

Regie & Buch: Kim Longinotto & Jano Williams.

Kamera: Kim Longinotto.

mit SAIKA Takeuchi, CHIGUSA Nagayo und vielen weiteren Wrestling-Girls.

35mm, Farbe , 106 Minuten, Japanisch mit englischen Untertiteln.

Kim Longinotto, geboren 1952 in London, arbeitet nach einem Kamerastudium an der National Film and Television School seit 1979 als Dokumentarfilmerin. Filme u.a.:
Pride of Place (1979), Underage (1983), Eat the Kimono (1990), The good Wife of Tokyo (1992), Dream Girls (1993), Shinjuku Boys (1995), Divorce Iranian Style (1998).

 

Jano Williams, geboren 1948 in England, lebte 14 Jahre in Japan, wo sie für TV-Sender Dokumentarbeiträge realisierte. Filme: Eat the Kimono (1990), Dream Girls (1993), Shinjuku Boys (1995), Mars and Venus (1997).

Gaea Girls

Ein zierliches Mädchen steht in einem Kampfring, mit geneigtem Haupt, übersät mit blauen Flecken. Tränen laufen ihr übers das Gesicht, Blut strömt aus einer Wunde am Mund. Um sie herum verharren andere Mädchen mit ausdruckslosen Gesichtern, doch das geschundene Wesen hat nur Blicke für die Trainerin, eine seltsam deformierte Kreatur mit blonden Haaren, die ohne eine Spur von Mitleid auf sie einredet und ihr wiederholt ins Gesicht schlägt. Immer wieder und mit äußerster Härte landet die Faust im Gesicht, das vor Tränen und Blut kaum noch zu erkennen ist. Man wartet auf einen Ausbruch, eine Reaktion, eine empörte Geste, die einem einen Ausweg aus dieser freiwillig ertragenen Grausamkeit aufzeigen würde. Doch alle Beteiligten der Szene verbindet ein undurchdringliches Einverständnis, an dem man als Zuschauer nicht Teil hat.

Der Dokumentarfilm Gaea Girls begleitet eine Hand voll Mädchen auf ihrem schmerzhaften Weg zum Profi-Wrestling. Ohne jeden Off-Kommentar und begleitet von nur wenigen Worten der Mädchen und ihrer Trainerin, lässt der Film das Publikum Anteil haben an einer streng ritualisierten Welt, die zugleich eine der blutenden Körper ist. Rigorose Disziplin und äußerste Gewalt, totale Anpassung und Exzess sind in diesem Trainingscamp untrennbar miteinander verbunden. Doch was einen als westlicher Zuschauer vielleicht am meisten schockiert, ist das glückliche Lächeln der Mädchen, wenn sie von ihrer Zukunft sprechen.

Mehr als an den Schmerzen und Routinen, den Schlägen und immer wiederholten Körperverrenkungen offenbart sich dem Zuschauer an diesem Lächeln, dass er keine Ahnung hat, was diese Mädchen umtreibt. „I don’t stand out in a crowd. In the ring I can become someone who is noticed.“ Die Worte von SAIKA Takeuchi , deren Weg zum ersten öffentlichen Auftritt als Wrestlerin der Film in den Mittelpunkt stellt, deuten vielleicht noch am ehesten an, worum es in vielen neueren japanischen Filmen geht.

Der Film führt ein in die japanische Institution der Gaea Girls - in die Lebensumstände junger Frauen also, deren Ziel es ist, Identität und Selbstwertgefühl durch Meisterschaft im Wrestling zu erlangen. Alle Herausforderungen des Lebens werden übersetzt in die Sprache der Matte, den harten Kampf Frau gegen Frau. Zu verlieren bedeutet den Verlust der Identität, gar des Namens: Die Verliererin heißt fortan „Zero“.

(Moving Pictures Berlinale 2001)

Ich falle überhaupt nicht auf, behauptet SAIKA Takeuchi von sich und möchte doch ‘jemand sein’. Seit über einem Jahr lebt sie nun im Gaea-Japan-Trainingslager für Ringerinnen. Der Film gewährt einen Einblick in diese für Frauen ungewöhnliche Sportart. In dem Camp möchte auch Wakayabi trainieren, die beim ersten Anlauf weggelaufen war und nun inständig um eine zweite Chance bittet. Auch Sato treffen wir hier an, eine spindeldürre 16jährige, die es nach dreijährigem Bitten und Betteln endlich geschafft hat, ihren Eltern das nötige Einverständnis abzuringen. Die Mädchen werden von der überaus strengen, aber charismatischen CHIGUSA Nagayo angeleitet, die von den Aspirantinnen gleichermaßen gefürchtet und verehrt wird.

(Berlinalekatalog 2001)

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